Meine kleine Hautgeschichte

Ich wurde geboren als kleines glückliches Mädchen, war kerngesund und habe mich rundum wohl gefühlt. Ich war immer ein fröhliches Kind, fand das Leben super, hatte Freunde und Spaß ohne Ende. Eine schöne unbeschwerte Kindheit also, für die ich meinen Eltern unglaublich dankbar bin.

Als ich ungefähr 10 war, hatte ich zum ersten mal rote Flecken an den Armen und aufgekratzte Armbeugen. Eine Lehrerin meinte zu mir,ich sollte das mal untersuchen lassen. Ich sprach mit meiner Mom darüber und sie wusste natürlich schon Bescheid, denn sie hat auch Neurodermitis. Ich war zu jung, um zu realisieren, was für ein Ausmaß das alles nehmen könnte, ich hatte nicht das Gefühl das ich krank war.

Die roten Flecken kamen und gingen einfach, ich nahm das gar nicht so richtig wahr. Irgendwann habe ich mir nachts ständig die Arme und Beine zerkratzt, ohne es direkt zu bemerken. Das führte dazu, dass meine Mom mir jeden Abend die Arme verbinden musste. Ich zog dann noch Baumwollhandschuhe und zusätzlich noch meine dicksten Schistrümpfe drüber, damit das auch die ganze Nacht über hielt. War ab und zu ein bisschen warm, aber hat wirklich geholfen. Nach ein paar Wochen hatte ich die dicken Socken durchgekratzt.

So in der Grundschulzeit hatte ich eigentlich immer nur Stellen an den Armen und Beinen, später dann immer mehr im Gesicht und am Hals. Ich hatte oft rote Augen, schlimme Ohren, eine sehr trockene Kopfhaut oder einen aufgekratzten Hals. In der Oberstufe hatte ich es dann auch immer mehr an den Händen und auf dem Rücken.Dann so vor ca. drei Jahren hat es sich eigentlich über meine kompletten Körper verteilt. Meine Füße waren immer so die Stelle, mit der ich nie weiter Probleme hatte, bis vor einem halben Jahr. Im Moment sind sie immer noch meine größte Herausforderung.

2016 entschied ich mich das erste Mal dazu in eine Klinik zu gehen, weil ich das Gefühl hatte, dass ich meine Haut alleine nicht mehr in den Griff bekommen konnte. Ich war in einem normalen Krankenhaus mit Hautstation. Das war sowohl mein größter Fehler, als auch meine größte Lektion. 

Ich wurde mit Kortison und Lichttherapie behandelt. Nach einer Woche hatte ich quasi gottesgleiche Haut, jedoch bekam ich Bläschen an den Händen und Füßen, worauf hin die Ärzte der Meinung waren mir Kortison intravenös einflößen zu müssen. Nach wenigen Tagen verschwanden natürlich auch noch die Bläschen und ich wurde nach insgesamt zwei Wochen entlassen. Ich sollte noch zwei weitere Wochen zur Lichttherapie kommen. Noch bevor diese vorbei waren, bekam ich wieder Ausschlag im Gesicht. Daraufhin fragt ich einen Arzt, was ich denn da außer Kortison machen könnte. Als er daraufhin antwortete, es würde keine andere Möglichkeit geben, wurde ich richtig sauer, weil ich auch zu dem Zeitpunkt schon wusste, dass es sehr wohl Alternativen gibt. Ich wollte meine Haut nicht komplett damit zerstören, dass ich nach zweiwöchiger Kortisonbehandlung direkt wieder Kortison benutze. Ich fing an, den Lösungsweg der Schulmedizin in Frage zu stellen und wandte mich komplett von Kortison ab. Ich entwickelt eine regelrechte Angst davor. Ich bekam bald darauf die Auswirkungen das Kortisonentzugs zu spüren und meine Haut war schlimmer als jemals zuvor.

Ich war am verzweifeln und suchte nach alternativen Behandlungswegen. Kurze Zeit später ließ ich mich in eine Spezialklinik einweisen, die auf Neurodermitis, Schuppenflechte und Umweltkrankheiten, wie Schwermetallvergiftung spezialisiert ist. Diese Klinik ist eine der wenigen in Deutschland, die ohne Kortison behandelt und von den Krankenkassen übernommen wird. Ich verbrachte dort dreieinhalb Wochen. Ich lernte zum ersten mal, was für eine wichtige Rolle meine Ernährung und Darmgesundheit spielt.

Nach der ersten Nacht, die ich anschließend zu Hause verbrachte bekam ich erneut Ausschlag im Gesicht und am Hals. Ich war wieder total verzweifelt und völlig am Ende. Ich konnte nicht schlafen, nicht essen, ging nicht mehr vor die Tür und konnte irgendwann kaum noch mein Bett verlassen. Ich ließ mich weitere zwei Wochen krankschreiben, aber es wurde nicht besser, sondern immer schlimmer. Das Ende vom Lied war, dass ich ein weiteres mal in die Spezialklinik ging und dort noch einmal vier Wochen verbrachte. Ich wurde entlassen, es wurde wieder leicht schlimmer, aber ich konnte damit umgehen und es ging langsam bergauf.

Meine Haut wurde immer besser bis ich ungefähr von August bis Oktober 2017 fast komplett symptomfrei war. Ab Oktober wurde es dann leider wieder schlimmer. Ich denke es lag zu dem Zeitpunkt an meinem Stresslevel. Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben immer mehr über mir zusammenbricht, ich die Kontrolle verliere. Es ging einfach gefühlt alles schief.

Vor etwas mehr als einem halben Jahr, erreichte ich dann meinen bisherigen Tiefpunkt bzw. den Höhepunkt von diesem Schub. Ich stellte mein ganzes Leben infrage, nichts funktionierte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich war echt am Ende, konnte nur zusehen, wie meine Haut jeden Tag schlimmer wurde. Ich habe immer schlechter geschlafen, immer schlechter gegessen, immer mehr Sport gemacht, bin immer weniger zur Ruhe gekommen. Ich habe versucht alles zu verdrängen, wollte es nicht sehen. Erst als ich zu fertig war, um meinen Alltag auf die Reihe zu kriegen, realisierte ich, dass ich aufwachen muss. Dann bin ich in ein Loch gefallen.

Ich konnte irgendwann nicht mehr zum Sport gehen, weil jede Bewegung unfassbar weh tat. Ich wollte nicht mehr duschen, aus Angst vor den Schmerzen, wollte mich nicht mehr anschauen und auch nicht, dass mich irgendjemand so sieht. Es war eine einzige Katastrophe. Als ich dann auch nicht mehr arbeiten gehen konnte und mich krankschreiben lassen musste, war ich kurz davor, wieder in eine Klinik zu gehen, aber ich sträubte mich innerlich echt dagegen. Keine Ahnung warum, aber ich hatte das Gefühl, dass ich es dieses mal alleine schaffen muss. Ich wusste nicht wie, hatte nur mein Ziel.

Wenn ich daran zurückdenke wird mir echt schlecht. Ich weiß nicht, wie ich den Mut und die Kraft aufbringen konnte das durchzuziehen. Ich hab´s wohl einfach gemacht. Meine Haut ist immer noch nicht gut, aber immerhin gut genug, dass ich ganz gut klarkomme. Es gibt mal bessere und mal schlechtere Tage. Ich möchte nicht mehr zurückdenken, nur noch nach vorn.

Das hier wird der einzige Beitrag sein, in dem ich so direkt Bilder meiner Haut teile. Ich möchte meinen Fokus nicht auf die Krankheit legen, sondern darauf, wo ich hinwill. Ich finde es auch wirklich verstörend sich ständig so schlimme Bilder reinzuziehen. Das möchte ich mir und auch niemand anderem antun. Ich möchte kein Mitleid oder sonst etwas ähnliches von niemandem. Das hier ist nur ein Kapitel meines Lebens, das genauso dazugehört, wie jedes andere auch.


Wow der Beitrag ist doch länger geworden, als ich geplant hatte. Falls du ihn bis hier hin gelesen hast, danke. Hätte ich gewusst, dass ich mal Bilder meiner zerstörten Haut zeigen würde, hätte ich mir ein bisschen mehr Mühe mit den Fotos gegeben.

Die Vergleichsbilder sind am Anfang meines Schubs entstanden, habe leider oder zum Glück keine gemacht als es richtig schlimm war. Habe in dem Moment nicht dran gedacht. Von meinen Füßen gibt es noch kein nachher Bild, weil ich da immer noch am struggeln bin. Die letzten Bilder sind aus der Klinik 2016.

No matter how bad it looks like, you will be alright.

Enjoy your day and love your life. It is beautiful.

Deine Lou.

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